Ben Ellermann Veröffentlicht von am

Apperitis – Symptomatik und Therapie nutzloser Apps

„Und dann machen wir noch eine App!“
– „Wozu?“
„Wie wozu?“
– „Was möchtest Du mit der App erreichen? Was soll der Nutzer mit der App erreichen können?“
„Wir machen eine App!“

Kommt Ihnen dieser Dialog bekannt vor? Ich habe ihn so häufig auf diese oder ähnliche Weise geführt, dass ich heute darüber schreibe und das Krankheitsbild der Apperitis vorstelle.

Die Apperitis befällt digitale Kommunikatoren und lässt sie die eigentliche Motivation eines Kommunikationsprojekts vergessen. Apperitis äußert sich in einer App-um-jeden-Preis-Denke. Ob es sich um Apps für mobile Endgeräte oder für Facebook handelt, spielt dabei zunächst keine Rolle.
 

Symptomatik

  • Die kompromisslose Überpriorisierung des Kommunikationskanals „App“ vor allen anderen Kanälen.
  • Die Missachtung der schlechten Qualität einer Userstory zu Gunsten der praktikablen Umsetzung innerhalb der App.
  • Die Missachtung des Fits einer Userstory zur eigentlichen kommunikativen Zielsetzung des Projekts.
  • Das Auslassen des kommunikativen Strategieprozesses zu Gunsten des überbewerteten App-Kreationsprozesses.
  • Das Vergessen der Nutzerbedürfnisse.
  • Die Motivation hinter der Entwicklung einer App ist, dass man auch mal eine App entwickeln wollte.
  • Die Entwicklung der App geschieht zum Selbstzweck.
  •  
    Therapie:

  • Die konsequente Rückbesinnung auf die kommunikative Zielsetzung.
  • Die Betrachtung der App als Bestandteil einer übergeordneten Kommunikationsstrategie.
  • Das Einnehmen der Nutzerperspektive zur Prüfung der Qualität der verwendeten App-Mechanik.
  •  

    Apps zum Selbstzweck sind ein verbreitetes Phänomen. Immer wieder lässt sich beobachten, wie Unternehmen in unausgegorene und hanebüchene Applikationen investieren, die an den Bedürfnissen der Nutzer vorbeigehen. In der Konsequenz bleibt zwar die Wertschöpfung aus, aber immerhin verfügt man jetzt auch über eine App – als Statussymbol.

    Bevor man viel Geld in die Entwicklung einer App investiert, sollte man sich als Unternehmen eine Frage beantworten: Brauche ich diese App, um besser mit meinem Kunden kommunizieren zu können? Diese Frage sollten Sie sich auch dann noch stellen, wenn Sie eine wirklich runde Userstory für den Einsatz der App entwickelt haben. Eine App ist immer mit einer (wenn auch meistens schnellen) Installation verbunden, die, bevor sie Früchte trägt, zunächst eine Hürde für den Nutzer bedeutet. Hinzu kommt, dass eine App bei Facebook einer durchdachten Einbindung bedarf, um ihr Nutzer zuzuführen.

    Verstehen Sie mich nicht falsch; Apps sind notwendige und starke Instrumente der digitalen Kommunikation. Wenn sie wohl durchdacht in eine Kommunikationsstrategie eingebunden sind und die Bedürfnisse der Nutzer abdecken, lassen sich mit Apps hervorragende Ergebnisse erzielen. Daraus resultiert aber kein App-Imperativ. Digitale Kommunikation kann auch – und häufig besser – ohne eine App erfolgreich sein.

     

    Bleiben Sie auf dem Laufenden…

    … mit dem eKundenmacher, dem Newsletter der buw Unternehmensgruppe. Verpassen Sie künftig keine Meldungen mehr aus der Welt des Kundenmanagements und werden Sie Abonnent.

    Jetzt den eKundenmacher abonnieren!

    Ben Ellermann

    Über Ben Ellermann:

    Als Senior Consultant berate ich bei buw digital Unternehmen beim Aufbau und der Umsetzung digitaler Kommunikationsprojekte, vom Dialog 2.0, über Blog und ... [Mehr]

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

    *