Neu im Team
Melanie Brünen Veröffentlicht von am

Neu im Team: Stefan Reininghaus – IT Entwickler

Stefan ist nach seinem sechsmonatigen Praktikum gerade als IT Entwickler bei buw durchgestartet. Für ihn ist buw ein Arbeitgeber, der offen ist und Chancen gibt! Warum? Stefan ist blind. Nachdem er seinen gelernten Beruf aufgrund der immer schwächer werdenden Sehkraft nicht mehr ausüben konnte, hat er für die Umschulung zum Fachinformatiker gekämpft und sich so einen Beruf erarbeitet, der ihm auch in Zukunft eine Perspektive bietet. Über seinen Job, aber auch darüber, wie er seinen Alltag meistert, habe ich mit ihm gesprochen.

 

Stefan Reininghaus, IT Entwickler bei buwStefan, was ist dein Arbeitsschwerpunkt und wie ist es dir möglich, diese Tätigkeit auszuüben?

Ich programmiere aktuell Anwendungen, die unseren Kundenberatern den Arbeitsalltag erleichtern. In Zukunft werde ich mich fachlich in Richtung Datenbanken und Datenbankoptimierung entwickeln.

Ich arbeite mit einem Standard-PC. Eine Zusatzsoftware wandelt die Oberfläche in Sprache um. Mit Hilfe dieser Sprachausgabe und der Braillezeile, ein PC-Ausgabegerät für blinde Menschen, das Zeichen in Brailleschrift (Blindenschrift) darstellt, sind die Office-Anwendungen fast völlig barrierefrei und auch das Internet ist für mich nutzbar – wenn auch natürlich ohne Bilder und Grafiken.

 

Welche Herausforderungen begegnen dir im Arbeitsalltag?

Na ja, es passiert schon mal, dass ich eine Frage in den Raum werfe und meine Kollegen daraufhin nur nicken. Das hilft mir natürlich nicht wirklich weiter, ist aber auch nicht schlimm, sondern zeigt mir, dass ich im Team angekommen bin. ☺ Ich fühle mich total wohl hier bei buw!

In der ersten Zeit war es eine Herausforderung für mich, die Kollegen wiederzuerkennen und mir die Namen zu merken. Sie haben mich natürlich auf den ersten Blick erkannt und mich gegrüßt. Ich habe mich zwar über jedes fröhliche „Hallo Stefan!“ auf dem Flur gefreut und wusste auch meist, „ja, diese Stimme kenne ich“, aber das Wiedererkennen an der Stimme ist nicht einfach und braucht einfach seine Zeit. Dafür haben aber auch alle Verständnis gezeigt.

Auch die Standard-Wege zur Arbeit und in den buw-Gebäuden sind mir inzwischen vertraut. In den ersten Tagen haben meine Kollegen aufgepasst, dass ich mit meinem Langstock nirgendwo anecke. Aber gerade dadurch weiß ich ja erst, dass die Dinge physisch da sind, erklärt er und grinst verschmitzt. Ich versuche immer, eigenständig und halbwegs normal durchs Leben zu gehen. Für die Suche nach unserem Besprechungsraum heute habe ich mir allerdings sehende Hilfe geholt. (Anmerkung Melanie: Dieser lag natürlich auch total ungünstig im anderen Gebäude und in der vierten, gerade erst umgestalteten Etage. Entschuldige, Stefan!)

 

Die Braillezeile von Stefan Reininghaus

Die Braillezeile wandelt Text der Computerprogramme in Blindenschrift um.

 

Und wie gestaltest du deine Freizeit?

Wie jeder andere auch! Ich komme von der Arbeit nach Hause, gehe Einkaufen, koche etwas, unternehme etwas mit meiner Freundin oder gehe meinen Hobbys nach.

 

Woher weißt du beim Einkaufen, wo du was findest und was du im Einkaufswagen hast?

Das ist alles Erfahrungssache. Ich erarbeite mir systematisch die Geschäfte in meiner Umgebung. Mit der Zeit weiß man, wie sie aufgebaut sind und wo man welche Produkte findet. Mit meinem Etikettenleser kann ich außerdem einzelne Produkte scannen und so erkennen. Das ist kein Thema. Und wenn es mal schnell gehen muss, nehme ich jemanden mit, oder wende mich an eine Verkäuferin.

 

Der Etikettenleser macht natürlich total Sinn. Gibt es noch mehr technische Helfer, die du gerne nutzt?

Ich habe einen sprechenden MP3-Player, den ich mit zwei Tasten bedienen kann. Und durch mein iPhone, das mit einigen Hilfstechnologien, wie Sprachausgabe, Farbscanner oder Texterkennung ausgestattet ist, weiß ich morgens auch, wie das Wetter wird und kann mir mein Outfit dementsprechend zusammen stellen.

 

Du hast Hobbys angesprochen. Hast du Lust, etwas darüber zu erzählen?

Ich moderiere schon lange eine Internetradio-Sendung und spiele dort regelmäßig zwei Stunden Musik, wie ich sie mag. Außerdem spiele ich Online Spiele – das geht auch ohne die Grafik. Und ich bin aktives Mitglied bei einer Laienspielgruppe in meiner Heimatstadt, dem Georgs Ritter e.V.. Hier organisieren wir Ritterspiele und machen Geschichte erlebbar.

 

Jetzt kommen wir langsam zum Ende unseres Interviews. Wie ist das: Sagst du eigentlich „Auf Wiedersehen“?

Na klar – sogar ganz bewusst! Genau wie „Man sieht sich!“ oder „Schau dir das mal an“. Warum auch nicht? Schließlich sind diese Redewendungen ganz normaler Sprachgebrauch. Bei dem Gruß „Auf Wiedersehen!“ geht es doch einfach darum, dass man den Gesprächspartner einmal wieder treffen möchte. Oder? 😉

 

Das sehe ich ganz genau so! Stefan, vielen Dank für das spannende Gespräch und für den Einblick in dein Leben. Wir sehen uns!!

 

P.S.: Stefan sucht eine neue Wohnung in Lotte (an der Buslinie R31 oder nah daran) ab dem 01.10., mit möglichst vielen Geschäften des täglichen Bedarfs in unmittelbarer Nähe. Also, wenn ihr zufällig etwas Passendes empfehlen könnt, meldet euch unter stefan.reininghaus@buw.de.

Melanie Brünen

Über Melanie Brünen:

Als Personalmanagerin mit Schwerpunkt HR-Kommunikation bin ich jeden Tag auf der Suche nach spannenden Informationen aus der buw-Welt - für Kollegen, Interessenten oder Bewerber. Daneben betreue ich ... [Mehr]

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